Gemeindechronik

Aus der jüngeren Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Opherdicke

von Pfarrer Christian Bald

Wenn unser beschauliches Opherdicke (und mit ihm auch Hengsen und Holzwickede) in diesem Jahr sein 1050-jähriges Jubiläum begeht, so geschieht das nicht, weil diese Jahreszahl sich aus den Daten des landeskundlichen Archives in Münster ergibt. Der älteste urkundliche Nachweis einer Besiedlung Opherdickes datiert bekanntlich aus dem Jahre 1176. Demnach könnte in diesem Jahr auf Empfehlung der Landesbehörde wohl ein 900-jähriges Bestehen gefeiert werden, nicht aber eines, das weiter zurückreicht. Der Grund für die stolzen 1050 Jahre ist allein in dem Umstand zu sehen, dass vor nunmehr 50 Jahren das 1000-jährige Jubiläum gefeiert wurde. Wie es damals dazu gekommen ist, lässt sich aufgrund der mangelnden Aktenlage nicht mehr nachvollziehen. In der evangelischen Kirchengemeinde wird jedoch davon gesprochen, der damalige Pfarrer Dr. Schlieper habe bei einem Spaziergang durch seine Gemeinde innegehalten und festgestellt: "Opherdicke muss wohl 1000 Jahre alt sein".
Da es weder sinnvoll noch schicklich war, Dr. Schlieper zu widersprechen, habe man schliesslich mit den Planungen und Vorbereitungen für das Fest begonnen.

Diese kleine Anekdote mag den "alten evangelischen Opherdickern (u. Hengsern)" Anlass zum Schmunzeln geben, nicht weil es sich so zugetragen hat, wohl aber weil es sich durchaus so zugetragen haben könnte. Und so fällt von dieser Überlieferung auch Licht auf eine Zeit unseres Gemeindelebens, die nicht nur chronologisch die Mitte des Jahrhunderts ausgemacht hat, sondern die bis heute noch nachlebt, lebendig ist, und in vielen Bereichen Früchte trägt. Es ist die Zeit Pfarrers Dr. Herbert Schlieper, der von 1942 bis 1972 als Seelsorger und Verkünder des Wortes Gottes in unserer Gemeinde tätig war bis zu seinem Tode im Jahre 1993 herzlich mit ihr verbunden gewesen ist. Seinem nach wie vor sehr lesenswerten Artikel in der Festschrift zur 1000 Jahr-Feier sowie der ausführlichen Chronologie des Pfarrers Daniel Geilenberg (1924 - 1934 in Opherdicke) gibt es an dieser Stelle nichts hinzuzufügen. Wer sich über die Anfänge des kirchlichen Lebens und seine Entwicklung bis 1950 ein Bild machen möchte, dem seien diese beiden Darstellungen empfohlen. Hier soll es im Folgenden darum gehen, die Entwicklungen seit 1950 nachzuzeichnen und einen Einblick in das gegenwärtige Gemeindeleben zu geben.

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Acht Jahre lang war Dr. Schlieper bereits Pfarrer in Opherdicke als 1950 das erste Ortsjubiläum gefeiert wurde. Unser Bild zeigt ihn in der Mitte am Seitenportal unserer Kirche mit Brille und kurzem zurückgekämmtem Haar. Rechts neben ihm steht der damalige Präses der ev. Kirche von Westfalen Wilms.

Der Präses war von Heinrich Prein, eigens mit der Bauernkutsche vom Bahnhof in Unna abgeholt und nach Opherdicke chauffiert worden, um am Festgottesdienst teilzunehmen. Links von Dr. Schlieper sehen wir den damaligen Kirchmeister Heinrich Richwinn sowie die Presbyter Werner Bachmann, Friedrich Schmidt und Wilhelm Schoof.

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Sehr schön zu sehen ist auf dem Bild die geringe Körpergrösse von Dr. Schlieper (er steht auf der oberen Stufe und ist immer noch kleiner als der untenstehende Präses) die ganz und gar im Gegensatz stand zu dessen mitunter energischem Auftreten. Willensstark war Dr. Schlieper nach dem einhelligen Zeugnis aller, die ihn gekannt haben, willensstark aber nicht nur gegenüber anderen Menschen, sondern auch gegenüber sich selber. So wissen seine früheren Konfirmandinnen und Konfirmanden zu erzählen, dass auch fiebrige Malariaanfälle den Pfarrer nicht hindern konnten, den Lernstoff vom Krankenbett aus abzufragen. Heute ist das wohl kaum noch vorstellbar, ebenso wenig die dreijährige Dauer der kirchlichen Unterweisung. Solche Erinnerungen aber zeigen Dr. Schlieper als gewissenhaften Seelsorger, dem seine Kirche, seine Gemeinde und das Evangelium wirklich am Herzen lagen. So vermochten allein die Kriegsjahre (1942-1945) den Pfarrer von seiner Gemeinde trennen, der insgesamt 30 Jahre lang das Gemeindeleben geprägt hat. Insbesondere waren es die Jahre, die dem Jubiläum folgten, in denen unter seiner Leitung unser Gemeindeleben manche Neuerung erfuhr.

Dringend erforderlich war nach dem Krieg zunächst die Renovierung der alten Friedhofskapelle. Seit 1865 hatte sie der Gemeinde als Ort für trauerndes Gedenken an Verstorbene sowie das Hören auf den Trost der Bibel gedient. Lange schon hatten dort keine Trauerfeiern mehr stattfinden können, als das Presbyterium sich 1947 aus Kostengründen für den Abriss entschloss. Es sollte sechs Jahre dauern, ehe man an den Neubau einer Friedhofskapelle denken konnte. "Am 2. Dezember beschloss das Presbyterium einen Neubau an der östlichen Seite des Friedhofs zu errichten. Bereits am 10. Oktober 1953 wurde Richtfest gefeiert und am Totensonntag 1955 (20.November) der Neubau übergeben".

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung setzte in der zweiten Hälfte der 50er Jahre in Opherdicke und Hengsen eine rege Bautätigkeit ein. Der Eickhoff, die Wasserfohr und der Wollberg wurden besiedelt und die evangelische Gemeinde wuchs beträchtlich.
Bereits 1959 war der Zuwachs im Gemeindeleben so umfassend (und der Zustand des alten Gemeindesaals so desolat), dass Pfarrer Schlieper erstmals einen Antrag auf Neubau des Gemeindehauses stellte. Insbesondere die aufblühende Jugendarbeit brauchte dringend Räumlichkeiten, so dass über den Neubau des Gemeindehauses hinaus im Presbyterium auch ernsthaft über die Errichtung eines Jugendzentrums nachgedacht wurde. Beide Bauvorhaben mussten aus Kostengründen jedoch aufgeschoben werden.

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Zwischenzeitlich machte der Zustand des alten romanischen Kirchbaues - "das Kleinod auf dem Haarstrang" - ebenfalls eine grössere Investition dringend notwendig. Schon 1958 war ein durchgehender Riss in der äusseren Turmschale festgestellt worden.

Auch der Innenraum der Kirche war in mancherlei Hinsicht renovierungsbedurftig. 1960 konnten die Bauarbeiten beginnen und wurden - je nach Finanzlage - in mehreren Abschnitten fortgesetzt. Zunächst wurde die Empore am nördlichen Querschiff (1960) abgebrochen. Im gleichen Jahr wurden auch die Fenster im Chorraum wieder freigelegt, die bis dato eingemauert waren. 1963 erhielt die Kirche die sehenswerten Fenster des Hamburger Künstlers Claus Wallerer. Ebenfalls 1963 wurde die Orgelempore "mitsamt der 1867 gebauten Herbst-Orgel abgebrochen. Spenden aus der Gemeinde halfen, eine neue Orgel zu beschaffen, die 1969/70 von der Orgelbauanstalt Ott in Göttingen erbaut und am 14. Juni 1970 in einem Familiengottesdienst eingeweiht wurde."

Für allseitiges Staunen sorgte die Entdeckung, dass der Turm seit seiner Erbauung ohne Fundament gestanden hatte. Das älteste Bauwerk Holzwickedes erhielt daraufhin im Jahre 1964 ein zwei Meter tiefes ca. 1,50 m breites Fundament aus Stahlbeton.

Infolge der Kirchenrenovierung sollte es schliesslich noch bis 1970 dauern, ehe die ersten konkreten Baumassnahmen für das neue Gemeindehaus einsetzen konnten. Im September wurde der alte Gemeindesaal abgerissen und am 3. Advent 1971 das neue Gemeindehaus eingeweiht. Ein eigenes Zentrum für die Jugend konnte bis heute nicht realisiert werden.

Noch einmal sollten Dr. Schlieper gegen Ende seiner Amtszeit die Belange unseres Friedhofs beschäftigen. Zusammen mit Franz Stein-weg und dem damaligen Kirchmeister, Wilhelm Dietzow, wurde 1971 eine neue Friedhofsordnung erarbeitet. Die bis dahin gültige Ordnung datierte aus dem Jahre 1927 und war von Pfarrer Geilenberg verfasst worden.

"Diese neue Friedhofsordnung war der Anfang einer gründlichen Neuordnung und Umgestaltung unseres Friedhofs."

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Mehr als diesen Anfang hatte Pfarrer Schlieper nicht mehr zu verantworten. Am 1. Mai 1972 wurde er in einer Feierstunde von seiner Gemeinde in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

In vier Bauabschnitten wurden unter Dr. Schliepers Nachfolger, Pfarrer Artur Specht, die Lage der Gruften geordnet und die Wege befestigt. Unter Mitwirkung von Pfarrer Specht, Franz Steinweg und Margot Schüirhoff wurde die Friedhofsordnung 1977 nochmals überarbeitet und eine neue Gebührenordnung erlassen.
Die intensiven Bemühungen um unseren Friedhof sollten sich in den Folgejahren positiv auswirken, konnte das Presbyterium sich doch lange Zeit darauf beschränken, den Gebührentarif dem jeweiligen Kostenzuwachs entsprechend anzugleichen.

Erst im Jahre 1999, 44 Jahre nach der Fertigstellung unserer Friedhofskapelle stand der ev. Friedhof wieder mit einer grösseren Investition auf der Tagesordnung des Presbyteriums. Der Zahn der Zeit hatte an der Kapelle genagt, die sich überdies oftmals als zu klein erwiesen hatte. Mit ganzem Engagement setzte sich der für die Friedhofsverwaltung zuständige Presbyter Gerd Externbrink dafür ein, dass die Arbeiten ordnungsgemäss und zügig voranschritten. Bereits im September 1999 war die Kapelle dergestalt renoviert und erweitert, dass sie nunmehr auf lange Sicht den einer Trauerfeier angemessenen Raum bietet.

Neben dem Friedhof stand in der Amtszeit von Artur Specht auch das Kirchgebäude immer wieder auf der Tagesordnung des Presbyteriums. Über sieben Jahre lang wurde zwischen der Kirchengemeinde und dem Landeskonservator über den Stil der dringend notwendigen Aussenrenovierung gestritten. 1975 stellte die Kirchengemeinde den ersten Zuschussantrag auf steinsichtige Renovierung an den Regierungspräsidenten.
Die Notwendigkeit der Renovierung stand zwischen allen Beteiligten nie zur Diskussion. Bezuschusst werden sollte nach dem Willen der Bezirksregierung jedoch nicht eine steinsichtige Renovierung, sondern "nur" eine Kombination, die vorsah, "den Anbau von 1868 aus Westhofener Sandstein zu verschlämrnen und das alte Langhaus zu verputzen."

1982 wurde schliesslich mit den Arbeiten begonnen, an deren Ende unsere Kirche ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt.
In seiner zehnjährigen Amtszeit (1972 - 1982), die Pfarrer Specht für die Opherdicker Kirchengemeinde tätig war, wurde nicht nur und sicher nicht in erster Linie an Gebäuden gebaut. Artur Specht und seine Frau bauten auch an unserem Gemeindeleben und brachten manches in Bewegung.

Hervorzuheben ist das Jahr 1976. Zum einen jährte sich am 31.10. der 400.Jahrestag der Reformation in Opherdicke. Den Festgottesdienst hielt der damalige Präses D. Thimme. Das Jahr 1976 war überdies aber auch für die Kirchenmusik unserer Gemeinde von Bedeutung. Nach dreijähriger Vakanz konnte die Stelle des Posaunenchorleiters mit Klaus-Jürgen Schlüter in diesem Jahr wieder besetzt werden. 16 Bläser arbeiteten am Anfang mit ihm.

Rechtzeitig zum 50-jährigen Bestehen des Chores, das zwei Jahre später, im Mai 1978 gefeiert wurde, hatte der inzwischen auf 26 Bläserinnen und Bläser angewachsene Chor einen engagierten Chorleiter. Ebenfalls 1976 fiel der Startschuss für die Wiederbelebung unseres Kirchenchores. Der 1924 gegründete Chor hatte Anfang der fünfziger Jahre unter der Leitung von Pfarrer Schlieper den Höchststand der Mitgliederzahl erreicht. Bereits 1952 musste dann aber das mehrstimmige Gotteslob eingestellt werden. Nicht zuletzt durch das Engagement von Karin und Artur Specht konnten am 15.Juli 1976 40 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Rainer Lecking erstmals wieder zusammenkommen, um geistliches Liedgut vielstimmig einzuüben. Fünf Jahre später übernahm am 1 .Januar 1981 Frau Wilma Ploetz aus Frömern die Chorleitung.

Bis heute leitet Frau Ploetz mit Freude und grossem Engagement unseren Kirchenchor und sorgt zusammen mit den Chormitgliedern bei Gottesdiensten und Andachten für die "besondere Note".

Ein Jahr nach dem erneuten Auftakt des Kirchenchores regte Artur Specht die Gründung eines Seniorenkreises an. Unter der Leitung von Melanie Huske begann 1977 diese segensreiche Arbeit. die später von Karl Krause weitergeführt wurde. Im Rhythmus von 14 Tagen treffen sich seither bis heute Gemeindeglieder, die in die Jahre gekommen sind, die gleichwohl aber Freude an der Gemeinschaft haben. Unter Mithilfe von Isolde Engelhardt leitet Gerda Spielfeld seit nunmehr fünf Jahren die Seniorenrunde. Ob Spielnachmittag, Jahreszeitenfest oder Abendmahl - bei jeder Zusammenkunft ist Frau Spielfeld darauf bedacht, dass sich die Menschen wohlfühlen.

Zwei Veränderungen, die unter Pfarrer Specht vorgenommen wurden, und die das geistliche Leben unserer Kirchengemeinde betreffen, sollen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben:

Mehr als 50 Jahre lang waren die Jugendlichen unserer Kirchengemeinde zu einer dreijährigen kirchlichen Unterweisung verpflichtet. Noch unter Pfarrer Strathmann, der 1925 in den Ruhestand ging, war diese Regelung in Kraft gesetzt worden . Längst galt in den umliegenden Gemeinden eine Vorbereitungszeit von zwei Jahren, als das Presbyterium am 7. Juni 1978 beschloss, das Jahr des Vorkatechumenats zu streichen. Seither gilt auch in Opherdicke, was in der Landeskirche schon gängige Praxis war: eine zweijährige Unterrichtszeit zur Vorbereitung auf die Konfirmation.

Die zweite bedeutsame Anderung betrifft die Feier des heiligen Abendmahls. Bis in das Jahr 1978 wurden Abendmahlsfeiern nur an besonderen Feiertagen durchgeführt. Hier wurde auf Anregung von Pfarrer Specht die bis heute gültige Regelung getroffen, an jedem 1. Sonntag im Monat im Rahmen des Gottesdienstes das Abendmahl zu feiern. 1982 folgte Pfarrer Specht einem Ruf nach Oberaden. Sein Nachfolger wurde Walter Schaefer, der am 12. September 1982 in sein Amt eingeführt wurde.

Im Jahre 1982 wurden mit der Küsterstelle und der Pfarrstelle zugleich zwei wichtige Arbeitsbereiche neu besetzt.

Am 1. August 1982 begann Isolde Engelhardt ihren Dienst in unserer Gemeinde. Mit ihr (und ihrem Mann) sollte unsere Gemeinde eine Küsterin erhalten, die ihre Aufgaben mit grösster Liebe und Sorgfalt versah. Mehr als 17 Jahre lang war Frau Engelhardt darauf bedacht, dass die Gemeinde sich im Kirchraum und im Gemeindehaus wohl-fühlen konnte. Die Art und Weise, in der Frau Engelhardt ihren Dienst versah, zeigt, dass sie ihn im Vollsinn des Wortes als Gemeindearbeit verstanden hat. Mit einer festlichen Verabschiedung am Erntedanktag 1999 dankte die Kirchengemeinde Frau Engelhardt für ihren Dienst. Seit dem 1 .August 1999 arbeitet Frau Brigitte Fechner als Küsterin in unserer Gemeinde.

Nur einen Monat nach dem Dienstbeginn von Frau Engelhardt wurde Pfarrer Schaefer in sein Amt eingeführt. In den acht Jahren seiner Amtszeit (1982 - 1990) schenkten er und seine Frau der Kinder- und Jugendarbeit besondere Aufmerksamkeit. Noch heute erzählen Eltern und inzwischen erwachsene Jugendliche von dem Flötenunterricht, der unter der Leitung von Frau Schaefer im Pfarrhaus stattfand. Zu den Höhepunkten des Flötenunterrichtes zählten sicher auch die Freizeiten, in denen mit der Musik auch die Gemeinschaft gepflegt wurde. Bald sollte das Engagement für die jüngsten Gemeindeglieder auch im Gottesdienst Früchte tragen. So wurde 1986 im Kindergottesdienst erstmals in Qpherdicke das Kinderabendmahl gefeiert.

Auch unter Pfarrer Schaefer stand das Kirchgebäude mit einer grösseren Investition auf der Tagesordnung des Presbyteriums. Diesmal ging es weniger um das Gebäude an sich, als vielmehr um die Akustik. Nicht überall im Kirchraum war die natürliche Beschallung so gut, dass Pfarrer und Lektor mühelos zu verstehen waren. So beschloss das Presbyterium 1985 im Kirchraum eine Beschallungsanlage zu installieren. Die Kosten beliefen sich schon damals auf stolze 10.000,- DM.

Mit der ersten Ausgabe des Gemeindebriefes fiel im Frühjar 1986 der Startschuss für einen Bereich der Offentlichkeitsarbeit, der inzwischen aus dem Leben unserer Gemeinde nicht mehr wegzudenken ist. Er dient den Gemeindegliedern zur Information, den Gemeindegruppen als Selbstdarstellungs- und Werbemöglichkeit und der Gesamtgemeinde als verbindende Lektüre. Im August 1990 verliessen Pfarrer Schaefer und seine Frau Opherdicke und gingen nach Norddeutschland. Das Pastorenehepaar Heinrich und Christine Bicker wurde am 06.01.1991 als Nachfolger gewählt und am 24. März in sein Amt eingeführt.

Noch in seinem ersten Amtsjahr in Opherdicke begann Pfarrer Bicker mit den Vorbereitungen die zu einer freundschaftlichen Verbindung mit der Kirchengemeinde Saboba (Ghana) führen sollten. Im Januar 1992 flog er zu ersten Gesprächen nach Ghana. Ihnen folgte die Gründung eines Freundschaftskreises auf seiten unserer Kirchengemeinde, der nunmehr intensiv die Vorbereitungen eines Besuchs vorantrieb. Zahlreich waren die Spenden, die von Gemeindegliedem zusammengetragen wurden, und die dem geplanten Projekt „Bau eines Kindergartens in Saboba“ zugute kommen sollten. Anfang 1994 war es schliesslich soweit. Am 11. Januar 1994 flog eine 11 köpfige Delegation nach Accra und fuhr von dort aus in das nördlich gelegene Saboba. Zu dieser Delegation gehörten neben Pfarrer Bicker, Annette Gunk, Tanja Heiduck, Cilli und Olaf Mestermann, Hiltraut und Siegfried Heimann, Marie-Luise Schlüter, Christiane von Postel, Dieter und Renate Lohsträter. Begeistert kehrten am 24.02.94 alle wohlbehalten zurück und hatten vieles zu erzählen.

Es wurde nicht nur ein Stück Entwicklungshilfe geleistet, sondern vor allen Dingen Freundschaft geschlossen. So ist der Sabobakreis bis heute aktiv und pflegt die Kontakte nach Ghana durch Aktionstage und Gottesdienste in unserer Gemeinde sowie Schriftverkehr mit dem Freundschaftskreis in Saboba und dem regelmässigen Transfer einer finanziellen Unterstützung.

Nicht nur der Kindergarten in Saboba sollte unsere Gemeinde beschäftigen. Der wachsende Bedarf an Kindergartenplätzen in Opherdicke-Hengsen führte das Presbyterium 1993 zu dem Beschluss, den ev. Kindergarten Hengsen zweizügig auszubauen. Mit den Ausbauarbeiten wurde der Architekt Horst Hellmann betraut. Schon im Kindergartenjahr 1995/96 konnten 50 Kinder in den neugestalteten Räumen betreut werden. Mit dieser Erweiterung wuchs auch das Team um Dorothea Richwinn (Leiterin seit 1989) und Erika Biermann um zwei weitere Kräfte. Nicole Becker und Christina te Fries kamen hinzu. Mehr als dreissig Jahre lang war Frau Biermann schon in unserem Kindergarten für die Kinder der Gemeinde engagiert gewesen, als die Erweiterung erfolgte. Als “Tante Erika“ hatte sie sich bei zwei Generationen einen Namen gemacht. Im August 1997, wenige Monate nach dem 50 jährigen Jubiläum des Kindergartens, wurde sie nach 34 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Nur ein Jahr später erlag sie einer schweren Krankheit und wurde auf dem ev. Friedhof in Opherdicke beigesetzt.

Länger als Frau Biermann brachte nach 1950 nur der Organist Wilfried Schlüter seine Gaben in unsere Gemeinde ein. Als Schüler von Elfriede Krümmer hatte er 1959 den Organistendienst übernommen. Dankbar erinnert sich unsere Gemeinde daran, dass er über 35 Jahre lang das Gotteslob der Gemeinde treu und gewissenhaft begleitet hat. Den Orgelschlüssel und das Choralbuch gab er 1994 an seinen Nachfolger Wolfgang Flunkert weiter.

Zum Sorgenkind unserer Gemeinde hatte sich in den 90er Jahren das alte Küsterhaus entwickelt.Feuchtigkeit war in die Wände gedrungen und hatte das Fachwerk sehr in Mitleidenschaft gezogen. Aus Sicherheitsgründen konnte das denkmalgeschützte Gebäude seit 1995 nicht mehr bewohnt werden. Nachdem aufgrund eines Gutachtens dem Küsterhaus die Denkmalwürde abgesprochen worden war, beschloss das Presbyterium unter dem kommissarischen Vorsitz des damaligen Kirchmeisters Gerd Externbrink am 14. April 1997 schweren Herzens den Abriss. Niemand ahnte damals, welch wunderschöner Blick sich nach erfolgtem Abriss auf die alte romanische Basilika auftun würde. So entschloss sich das Presbyterium, den Küsterplatz zu begrünen und den Bewohnern und ttDurchradelnden~ als Ruheplatz zur Verfügung zu stellen. Dank auch der Volksbank und der Sparkasse, die jeweils eine Sitzbank gespendet haben, ist so im Schatten der Kirche ein einladender Dorfmittelpunkt entstanden, eben genau dort, wo auch die Wurzeln Opherdickes zu suchen sind.

Wenige Monate zuvor hatte Pfarrer Heinrich Bicker auf seinen Antrag hin, die Gemeinde verlassen. Nicht einmal sechs Jahre hatte die Amtszeit gedauert, in der sowohl Heinrich als auch Christine Bicker als Pastoren für die Menschen da waren. Die Vakanzvertretung übernahm am 1 .Januar 1997 Pfarrer Christian Bald, der dann auch am 29.Juni einstimmig vom Presbyterium zum neuen Pfarrer gewählt wurde. Die Einführung erfolgte zum Erntedankfest durch Superintendent Buss. Gleichzeitig übernahm Reinald Imig das Amt des Kirchmeisters.

Das vorletzte Wort dieses kleinen Artikels soll der Qkumene gelten. Segensreich werden gegenwärtig die Beziehungen zwischen unserer ev. Kirchengemeinde und der St. Stephanusgemeinde gestaltet. Ein engagierter - und für Interessenten offener - Arbeitskreis bedenkt die unterschiedliche Tradition und organisiert Kontakte in Form von Gottesdiensten, gegenseitigen Gruppenbesuchen und Exkursionen. Zu Beginn dieses Jahres, gleichsam am Anfang des neuen Jahrtausends, haben beide Kirchengemeinden ein besonderes Zeichen gesetzt. In der alten opherdicker Kirche wurde am Neujahrsmorgen ein musikalisch-festlicher ökumenischer Gottesdienst gefeiert. An jenem Ort, an dem vermutlich schon vor tausend Jahren Christen sich zum Gebet versammelt haben, war der Gottesdienst Ausdruck des Bewusstseins, dass Kirche und Gemeinden aus einer Quelle leben und bei aller Verschiedenheit sich segensreich auf Gemeinsamkeiten besinnen können.
Für einen detaillierten, fünfzig Jahre umfassenden Rückblick kann dies nicht der Ort sein. Uber Manches wäre sicher noch zu berichten, wie beispielsweise das 9Ojährige Jubiläum unserer Frauenhilfe im Jahre 1997. Bis heute trägt die Frauenhilfe wesentliche Teile unserer Gemeindearbeit. Auch der Tanzkreis - vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar - zählt heute ebenso zur Gemeindearbeit, wie der Nähkurs im ersten Jahresquartal. Exemplarisch mag der nachfolgende Artikel über die ev. Männerarbeit in Opherdicke die lebendige Gruppenarbeit der ev. Kirchengemeinde spiegeln.

Dass Kinder, Jugendliche, Männer und Frauen aller Altersgruppen in unserer Kirchengemeinde interessante Angebote vorfinden, in ihr mitunter ein Stück Heimat erleben, geht sicher auch auf die Entwicklungen der Vergangenheit zurück. Nicht zuletzt aber verweist es auf das hohe Mass an Engagement der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie geben unserer Ev. Kirchengemeinde Opherdicke das ihr eigene Gesicht und aktualisieren das alte Gemeindebild des Apostels Paulus:

"Es sind verschiedene Gaben;
aber es ist ein Geist.
Es sind viele Glieder,
aber der Leib ist einer."


1. Kor. 12

(Artikel aus der Festschrift "1050 Jahre Opherdicke")

 


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