Orgel in der evangelischen Kirche zu Opherdicke

Orgel in der ev. Kirche zu Opherdicke

Im Oktober 1963 mußte im Zuge der Renovierung der evgl. Kirche in Opherdicke auch die Orgelempore mit der darauf befindlichen Herbst-Orgel (Baujahr 1869, 16 Register) abgebrochen werden. Daß die Kirche nun wieder eine Orgel hat, ist in erster Linie der beispiellosen Opferbereitschaft vieler Gemeindeglieder zu danken, die in einer spontanen Spendenaktion ein Drittel der geplanten Baukosten aufbrachten und damit auch öffentliche Stellen zur Bewilligung von Beihilfen anregten.

Die neue Orgel, die am 14. Juni 1970 in einem Familiengottesdienst eingeweiht wurde, ist 1969/1970 erbaut worden von der Orgelbauanstalt 0 t t (Göttingen). Sie baut seit 40 Jahren mit einem Stab hervorragender Fachkräfte (z. Z. über 50) Orgeln, die in Deutschland und im Ausland (z. B. in Finnland, Schweden, Norwegen) großes Ansehen in der Fachwelt genießen. Ott-Orgeln knüpfen an die Vorbilder an, die uns die Hochblüte des norddeutschen Orgelbaus hinterlassen hat. Es wird von ihnen gesagt, daß sie einen unverwechselbaren Klang haben. Wir sind besonders dankbar dafür, daß Herr Dieter Ott die Intonierung der Orgel in wochenlanger, geduldiger Arbeit ganz selbst vorgenommen hat.

Für die Gemeinde ins Auge fallend ist an der Orgel zunächst der Prospekt, gleichsam das Gesicht der Orgel, d. h. der Aufbau von 61 Prospektpfeifen in den sichtbaren Teilen des Orgelgehäuses mit dem schmückenden Holzwerk. Ein solcher Prospekt kann langweilig und starr sein, eine nichtssagende Kulisse aus Pfeifen. Wenn das hier nicht zutrifft, so ist das einem Mann zu verdanken, der nicht mehr unter den Lebenden weilt und dessen Handschrift dieser Prospekt unverkennbar trägt: Architekt Wulf Knipping (Hagen), der die Renovierung unserer Kirche begann und in den Grundzügen bestimmte, ehe er einem Autounfall zum Opfer fiel. Sein Prospekt ist lebendig, gelockert, geradezu elegant. Er zeigt uns den natürlichen und werkgerechten Aufbau der Orgel und läßt so ihre drei Werke auch nach außen hin deutlich erkennen.

Zunächst hoch oben das Hauptwerk mit fünf wichtigen Registern, die beides haben: den sieghaften Glanz im Prinzipal und daneben die Stille weiter Flöten. Hier kann die Orgel zu einer Künderin des großen Ostersieges und zugleich des warmen Trostes werden, mit dem Gott sich uns zugewendet hat. Ganz der Gemeinde zugewandt und im Rücken des Organisten (daher der Name) ist das Rückpositiv, das unmittelbar in den Kirchenraum hineinspricht. Wie oft werden wir uns noch erfreuen, aufrichten und auch trösten lassen von der Vielfalt seiner Stimmen von der Blockflöte bis zur Zimbel wenn sie klingen, als sprächen sie unmittelbar wie ein guter Freund zu uns. Neben diesen beiden Werken, von denen jedes im Spieltisch sein eigenes Manual hat, stehen die hohen Pedal-Türme wie zwei ernste Wächter mit ihren großen Pfeifen. Die größten können wir allerdings nicht sehen, sie sind innen (aus Holz) und fast 5 Meter lang. Die Baß Pfeifen geben dem Spiel den ganzen vollen Klang, wenn der Organist sie auf dem Pedal, d. h. mit den Füßen, spielt. Aber auch sie sind in unserer Orgel gedämpft und nie aufdringlich, denn nicht dröhnende Lautstärke ist der Beweis für die Güte einer Orgel, sondern ihre innere Lebendigkeit, ihre Feinheit und Reinheit. Zu dem Prospekt gehören auch das sparsam angebrachte Schnitzwerk, das nicht nur Zierat ist, sonden auch ganz bestimmte Funktionen zu erfüllen hat. Dazu kommt dann noch die schmückende Farbe, hier ein gedämpftes Weiß, mit Rot und Gold abgesetzt, und in der Mitte, gleichsam als Verbindung zu den Farben der Kanzel, ein wenig Blau.

Sehr wichtig für eine Orgel ist ihre Disposition, d. h. der Plan, der dem Orgelbauer sagt, welche Register (das sind Pfeifenreihen gleicher Bauart) er für die Orgel anfertigen muß. Zu einem Register gehören in der Regel soviel Töne, wie die Klaviatur eines Manuals Tasten hat, das sind bei uns 56. Der Organist kann alle diese Register ins Spiel bringen, sie auch mischen und zusammenspielen, indem er die seitlich des Spieltisches angebrachten Registerzüge zieht. Die Disposition unserer Orgel verdanken wir ebenfalls einem Manne, der dieses Werk nicht mehr erleben konnte, Kirchenmusikdirektor Hans Königsfeld aus Siegen, der sich mit großem Ernst und Können dem Werden unserer Orgel gewidmet hat und uns auch im Juli 1966 die kleine Leihorgel vermittelte, die uns so große Dienste getan hat. Der Tod hat ihn viel zu früh aus seinem vielfältigen Dienst abgerufen.

An der Disposition sehen wir, daß man im Orgelbau noch nach "Fuß" mißt (das Fuß-Maß ist aber nicht bei allen Orgelbauern gleich, es beträgt etwa 30 cm). Ein 8-Fuß(8)-Register hat als tiefsten Ton eine Pfeife von 8 Fuß = etwa 2,4 Meter. Ein 4-Fuß-Register klingt eine Oktave höher und ist mit seiner längsten Pfeife nur 1,20 Meter lang usw. Zwischen der Orgelpfeife und der Spieltaste besteht eine direkte Verbindung durch Holzstangen und Winkel, die der Organist mit dem Anschlag seiner Finger in Bewegung setzt und dadurch den Luftstrom zur Pfeife freigibt. Auch das ist nicht unwichtig für den Klang der Orgel und die Spielart des Organisten.

Großer Wert wurde bei unserer Orgel auf gutes Material gelegt. Es soll ja später niemand sagen dürfen, es sei hier an der falschen Stelle gespart worden. Das gilt neben dem Pfeifenmaterial (einer Zinnlegierung) auch für das verwendete Holz: Mahagoni für die Pfeifenstöcke, Eiche für die Schleifladen, Grenadill für die Tasten und Walnuß für den Spieltisch. Gott aber gebe, daß an diesem Spieltisch, den z. Z. unser Organist Wilfried Schlüter innehat, auch in Zukunft immer Organisten den Dienst tun, die dieses herrliche Instrument zu Gottes Ehre rein und mit Können erklingen lassen.

14. Juni 1970
Pfarrer Dr. Schlieper


 


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